CDU-Schulpolitik von gestern
Alte Antworten auf neue Anforderungen


Herbert Falke, der Kreisvorsitzende der GRÜNEN antwortet auf die Pressemitteilung von Hubertus Fehring (CDU-MdL): „An den Aussagen von Hubertus Fehring wird deutlich, dass die CDU sich bei der Bildungspolitik nur in kleinen Schritten bewegt und letztlich unbeirrt blind an den  alten Rezepten bei schulischer Erziehung und Bildung festhält. Wenn Fehring die Ganztagsschule als ein CDU-Projekt lobt, vergisst er, dass sein Partei die Pläne von Rot-Grün für die offene Ganztagsgrundschule noch im Wahlkampf 2004 als links-ideologische Vereinnahmungsversuche von Kindern und Eltern verteufelt hat. Nun verkauft Fehring das als schwarz-gelbes Erfolgsmodell, beschimpft aber alle Ansätze für längeres gemeinsames Lernen als unsinniges Einheitsschulmodell.

 

Ganz neu ist seine Argumentation, die PISA-Studien würden herausstellen, dass die schulischen Leistungen bei einem gegliederten Schulsystem wie dem deutschen besser seien. Diese Aussage widerspricht allen Ergebnissen der PISA-Studien, und es findet sich keine internationale Studie, die unser Schulsystem für seine besondere Leistungsfähigkeit loben würde. Herr Fehring hat wohl etwas falsch verstanden: Die Studien besagen lediglich, dass gerade in Deutschland die Kinder von wohlhabenden Oberschichtfamilien in den Gymnasien recht gut abschneiden, aber sowohl insgesamt die Zahl der Abiturienten im europäischen Vergleich bei uns geringer sind und die Schüler/Innen gerade der Hauptschulen vergleichsweise extrem schlechte bis gar keine Schulabschlüsse haben. In Deutschland bestimmt eben das Portemonnaie der Eltern in besonderer Weise den Schulabschluss. Die Hauptschule ist in Großstädten meist jetzt schon zur Restschule verkommen. Längeres gemeinsames Lernen –so die Erfahrungen aus anderen Ländern – ermöglicht Kindern unabhängig von der gesellschaftlichen Stellung der Eltern gute Schulabschlüsse und berufliche Perspektiven. Die Behauptung, bei längerem gemeinsamem Lernen würde Schule zur Einheitsschule ohne spezielle Förderung der Begabungen der Kinder verkommen, ist ultrakonservativ-ideologischer Unsinn und entbehrt jeglicher Grundlage.

 

Die demographische Entwicklung der Schülerzahlen gerade in unserem Kreis erfordert kreative und phantasievolle Lösungen. Eine Verbundschule, gegen die sich Ministerin Sommer übrigens auch lange gewehrt hat, ist nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Der von MdL Fehring behauptete Lehrerstellenzuwachs jedenfalls ist offenbar in den Schulen kaum angekommen. NRW verharrt weiter im letzten Drittel aller Bundesländer bei den Bildungsausgaben, die Bundesrepublik hängt ebenfalls weiter im letzten Drittel aller europäischen Länder.

 

Wer individuelle Bildungsförderung von Kindern fordert, muss viel Geld in die Hand nehmen und darf nicht zulassen, dass in einer ersten Grundschulklasse bis 30 Kinder sitzen dürfen, in einer 2. bis 4. Klasse gar bis 35 Kinder. Wer Kinder bildungsschwacher Familien mitnehmen will, darf sie nicht selektieren, sondern muss sie fördern durch gemeinsames Lernen mit anderen.

 


26.11.09  HF

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