04.12.2020

Vielfalt und Selbstbestimmung

„Wir Frauen lassen uns unsere Rechte nicht rauben“

Rede gegen das faschistische Frauenbild

Ansprache zur Mahnwache „Höxter zeigt sich – Nie wieder Faschismus!“ am 05.12.2020 von Kristin Launhardt-Petersen, Frauenpolitische Sprecherin von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN Kreisverband Höxter

„Liebe Freundinnen und Freunde,

wir Frauen haben die AFD ganz besonders auf dem Kieker – die will uns nämlich nicht wahrnehmen in der bunten Vielfalt unseres selbstbestimmten Lebens. Junge Frauen, Frauen in der Mitte des Lebens, alte Frauen mit ihren ganz eigenen Lebensentwürfen - die will die AFD nicht sehen!

Das, was Frauen in den letzten 100 Jahren an Rechten hart erkämpft haben, was für uns moderne Frauen Selbstverständlichkeiten sind - will die AFD einfach zurückdrehen.

„Die klassische Familie ist wieder zum Leitbild zu erheben“ (Zit. Höcke). Damit ist die Familie gemeint, in der der Mann arbeitet und die Frau zuhause Herd und zahlreiche Kinder versorgt. Höcke fordert weiter: „Schädliche, teure, steuerfinanzierte Gesellschaftsexperimente, die der Abschaffung der natürlichen Geschlechterordnung dienen,“ sind abzulehnen. Das heißt im Klartext, der Mann hat das Sagen in Familie und Gesellschaft. Die Frau wird reduziert auf Gebären und Mutter sein – das wars!

Diese Frauenbild findet sich übrigens in allen extremistischen Bewegungen auf der Welt, dieses Frauenbild scheint vollkommen unabhängig von Kultur und Religion zu sein.

Der Traum der AFD-Männer, Frauen wieder an den Herd, ins Bett und ins Kinderzimmer verbannen zu können, ist natürlich von unserer Lebenswirklichkeit meilenweit entfernt.

Gerade in der Pandemie haben wir sehr deutlich gesehen, dass es ganz besonders Frauen sind, die den gesellschaftlichen Laden Tag für Tag am Laufen halten. Wie sähe es in den Geschäften und Supermärkten aus, wenn dort keine Frauen mehr arbeiten würden? Alle Altenheime und ambulanten Pflegedienst müssten schließen ohne Altenpflegerinnen.
In der Schule wären 120 Kinder in einer Klasse – wenn die Lehrerinnen fehlen. Und unser Gesundheitswesen – ohne Schwestern und Ärztinnen – nicht auszudenken!

Wir könnten jetzt leicht sagen: „Ach, das sind doch ewig Gestrige, diese AFD Männer. Die nehmen wir Frauen doch gar nicht für voll.“

Vorsicht, kann ich da nur sagen.

Wo AFD Macht bekommt, setzt sie ihre Vorstellungen knallhart durch:

  • Gleichstellungsbeauftrage in den Behörden und Institutionen sind überflüssig
  • Frauen in Spitzenpositionen – kommt nicht in Frage
  • Gender mainstreaming, also der Blick auf die Chancengleichheit von Frauen in allen Lebensbereiche– ein Hirngespinst.
  • Schutzhäuser für Frauen – überflüssig, Gewalt an Frauen kommt ja nur bei Migranten vor...
  • Freie Entscheidung der Frau zu Schwangerschaften – gibt’s nicht mehr!

Alleinerziehende hätten auch nichts mehr zu lachen. Laut AFD-Programm sollen Alleinerziehende keine Unterstützung mehr bekommen, wenn sie nicht nachweisen können, dass kein „Eigenverschulden“ vorliegt. Wir reden hier von 1,6 Mio. Menschen, 90% davon sind Frauen.

Wir Frauen lassen uns unsere hart erkämpften Rechte nicht nehmen, wir lassen uns auch nicht unsere bunten und vielfältigen Lebensentwürfe rauben.“

Kategorien:Kreisverband
URL:https://gruene-hoexter.de/start/einzelansicht-mitteilungen/article/vielfalt_und_selbstbestimmung/