
12.10.26 –
Beratungsstelle für den Kreis Höxter zeigt wachsenden Unterstützungsbedarf
Der Bedarf an unabhängiger Beratung für Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen wächst. Das zeigen auch die aktuellen Zahlen der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) in Höxter: EUTB-Berater Matthias Daniel führte im vergangenen Jahr 720 Beratungsgespräche.
Dennis Birkhölzer, Landtagskandidat von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN für den Kreis Höxter, und Thomas Cillessen, selbst in der sozialen Beratung tätig und Vorstandsmitglied der GRÜNEN in Bad Driburg, informierten sich über die Arbeit der EUTB und die Herausforderungen, mit denen Ratsuchende im Alltag konfrontiert sind.
Orientierung in einem komplizierten Hilfesystem
Im Gespräch wurde deutlich, wie schwer es für Betroffene häufig ist, sich im komplexen System sozialer Leistungen zurechtzufinden. „Viele Menschen wissen in einer Krisen- oder Ausnahmesituation gar nicht, welche Hilfsmittel, Budgets oder Rechte ihnen zustehen. Sie fühlen sich im System oft wie Bittsteller“, sagt Dennis Birkhölzer. „Genau hier leistet die EUTB wichtige Arbeit: Sie gibt Orientierung, hilft beim Sortieren der Möglichkeiten und unterstützt Menschen dabei, selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen.“
Die Beratung der EUTB des Paritätischen NRW ist dabei unabhängig und vertraulich. Für Menschen mit Behinderung, für von Behinderung bedrohte Menschen und für deren Angehörige ist sie eine wichtige Anlaufstelle, um sich über ihre Möglichkeiten und Ansprüche zu informieren.
„Persönliche Ansprechpartner vor Ort sind unverzichtbar“
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war die Erreichbarkeit der Beratungsangebote. Um eine möglichst wohnortnahe und niedrigschwellige Beratung zu ermöglichen, bietet die EUTB ergänzend zur Beratungsstelle in Höxter Außensprechstunden in Bad Driburg und Warburg an. „Dieses dezentrale Angebot ist wichtig und wertvoll und unbedingt erhaltenswert,“ unterstrich Dennis Birkhölzer. „Die Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind, brauchen persönliche Ansprechpartner, die sie auf möglichst kurzen Wegen erreichen können. Digitale Möglichkeiten können diese Angebote ergänzen aber nicht ersetzen.“
Kritik an aktuellen Reformen
Die aktuell geplanten Reformen im Bereich der Pflege und der Eingliederungshilfe stellen Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen vor neue Herausforderungen, erläuterte Matthias Daniel. „Die geplanten Reformen der Eingliederungshilfe bergen aus Sicht der EUTB erhebliche Risiken für Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe.“ Befürchtet werden insbesondere Einschränkungen des Wunsch- und Wahlrechts sowie eine stärkere Pauschalierung und Begrenzung individueller Unterstützungsleistungen. „Auch die Orientierung an Kosteneffizienz darf nicht dazu führen, dass notwendige Assistenzleistungen gekürzt oder Menschen in bestimmte Wohn- und Unterstützungsformen gedrängt werden.“
Entscheidend ist daher, dass Bürokratie abgebaut und Verfahren vereinfacht werden, ohne den individuellen Bedarf und die Rechte von Menschen mit Behinderung anzutasten, waren Matthias Daniel, Dennis Birkhölzer und Thomas Cillessen sich einig.
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